GUYØD - Death Throes Of A Drowning God

Veröffentlicht am 19. Jänner 2026 um 19:05

 

Es gibt Momente, in denen Musik aufhört, bloße Unterhaltung zu sein, und stattdessen zu einer bedrohlichen Naturgewalt mutiert, die dich vollkommen verschluckt. Genau an diesem Punkt setzen Guyođ mit ihrer neuen EP "Death Throes of a Drowning God" an. Wir sprechen hier nicht von einer Scheibe, die man mal eben im Hintergrund laufen lässt, sondern von einem akustischen Mahlstrom, der einen unbarmherzig in die Tiefe zieht. Wenn man wie ich seit Jahrzehnten in den dunklen Ecken des Metal unterwegs ist und glaubt, schon jeden Abgrund gesehen zu haben, belehrt einen diese Band eines Besseren. Schon das Cover mit seinen undurchdringlichen und düsteren Blautönen macht unmissverständlich klar, dass hier keine Hoffnung wartet, sondern nur der enorme Druck der Tiefe.

Musikalisch bewegen wir uns in einer extrem dichten Schnittmenge aus Doom, Death und Black Metal. Besonders im direkten Vergleich zum Vorgängeralbum "Heart of Thy Abyss" aus dem Jahr 2023 fällt auf, dass die Band ordentlich an der Intensitätsschraube gedreht hat. War das letzte Album noch ein majestätisch träges Ungetüm, wirkt das neue Material direkter und beklemmender. Die Riffs walzen immer noch alles nieder, werden aber nun häufiger von rasenden Black Metal Passagen durchbrochen, die dem Sound eine gewisse Panik verleihen. Sänger Ōjin liefert dazu eine Performance ab, die man nur als absolut entfesselt bezeichnen kann, was dem Titel des ertrinkenden Gottes mehr als gerecht wird.

Um mal konkret zu werden, sticht für mich besonders der Titel "Vortex Of Infinite Despair" heraus. Der Song baut sich auf wie eine herannahende Naturkatastrophe. Anfangs schleppend und fast schon quälend langsam, türmen sich die Riffs schließlich zu einer undurchdringlichen Wand auf, die einem förmlich die Luft zum Atmen nimmt. Als perfekten Kontrast dazu funktioniert "A Thousand Invisible Eyes". Hier zeigen die Grazer ihre Zähne und lassen die Black Metal Einflüsse von der Leine. Das Stück prescht mit einer Dissonanz und Geschwindigkeit nach vorne, die einen völlig unvorbereitet trifft und genau dieses Gefühl von Panik transportiert.

Was Guyođ jedoch wirklich von vielen Genre-Kollegen abhebt, ist die philosophische Tiefe ihres Konzepts. Strukturiert durch sogenannte Signale, die als akustische Wegmarken immer tiefer in den Abgrund führen, inszeniert dieses Werk den totalen Zerfall von Individuum und Zivilisation nicht als Tragödie, sondern als erlösende Reinigung. Der unaufhaltsame Sog in die Tiefe befreit den Menschen von der Last seiner Existenz und gipfelt im endgültigen Verschmelzen mit der Leere. Wenn am Ende der Satz „Denique lux evanuit. Inanitate coalesco“ im Raum steht, begreift man, dass dies kein bloßes Musizieren mehr ist, sondern eine fast rituelle Auseinandersetzung mit dem Nichts.

 

Fazit:

Wenn es an die Bewertung geht, lande ich nach mehrmaligem Hören bei einer sehr starken 9 von 10. Guyođ beweisen eindrucksvoll, dass der österreichische Underground international absolut konkurrenzfähig ist. Dass ich den letzten Punkt zur Höchstnote nicht vergebe, hat vor allem zwei Gründe. Zum einen ist das Material als EP schlichtweg zu schnell vorbei. Man hat sich gerade erst in dieser massiven Atmosphäre verloren, da herrscht schon wieder Stille, und man wünscht sich einfach mehr Spielzeit. Zum anderen ist die Produktion eine derart massive Wand, dass in den chaotischsten Momenten die feinen Details der Gitarrenarbeit ein wenig untergehen. Wer jedoch auf atmosphärisch dichten und kompromisslosen Extreme Metal steht, kommt an dieser Scheibe definitiv nicht vorbei.

Bewertung: 9/10

 

In diesem Sinne

Cheerz

Der Baer 🤘🏻🐻🤘🏻

 

 

Bandcamp:

 

https://guyod.bandcamp.com/album/death-throes-of-a-drowning-god