Ein echtes Stück deutscher Thrash-Metal-Geschichte auf Metalbaer! Seit fast 40 Jahren walzen ACCU§ER durch die Szene und haben dabei nie ihre rohe Energie und Authentizität verloren – genau das, worauf es ankommt. Ich hatte die Ehre, Frank Kimpel, dem letzten verbliebenen Gründungsmitglied der Band, per E-Mail ein paar brennende Fragen zu stellen. Im ersten Teil unseres großen Interviews tauchen wir tief in die frühen Tage im Kindergarten-Keller ein, besprechen die musikalische Evolution der Truppe und klären, warum ihr aktuelles Brecher-Album „Rebirthless“ genau den Nerv der Zeit trifft.
Metalbaer: Ihr habt 1986 in Kreuztal angefangen. Wenn ihr heute auf eure Entstehungsgeschichte in der frühen deutschen Thrash-Szene zurückblickt – was war damals die treibende Kraft, die euch dazu gebracht hat, genau diese Art von extremem Metal zu spielen?
Frank: Genau genommen sind wir eine Band aus Siegen. Unsere ersten Proben fanden in Kreuztal-Ferndorf statt, in einem großen Keller eines Kindergartens. Dort gingen damals mehrere Bands wie Area oder Whetstone ein und aus, und für viele von uns begann dort die musikalische Entwicklung. In diesen Räumen spielten wir zunächst unter dem Namen Breaker, bevor wir uns in ACCUSER umbenannten. Wir wollten uns bewusst vom traditionellen Heavy Metal entfernen und diese musikalische Veränderung auch mit dem neuen Namen unterstreichen. Dass wir uns in Richtung extremerer Musik bewegten, lag sicherlich auch an meinem Einstieg in die Band. Ich war großer Fan der amerikanischen Welle extremer Musik und insbesondere von Bands wie Slayer. Diese Einflüsse fanden ihren Weg ins Songwriting und führten nach und nach zu dem typischen ACCUSER-Sound. Natürlich hat sich dieser Sound im Laufe der Jahre immer wieder verändert und weiterentwickelt, aber unsere eigene Note ist dabei stets erhalten geblieben. Vielleicht war gerade diese Mischung interessant. Wir klangen weder typisch deutsch noch typisch amerikanisch, sondern irgendwie dazwischen. Und genau daraus entwickelte sich letztlich unser eigener Stil.
Metalbaer: Frank, du bist als einziges Gründungsmitglied seit den 80ern ununterbrochen an Bord. Wie hast du es geschafft, das Feuer für ACCUSER über fast vier Jahrzehnte am Brennen zu halten?
Frank: Es ist die Leidenschaft und Neugier, die einen nie verlässt und einen ständig antreibt. Als ich damals anfing, mich in meiner ersten Band auszuprobieren, war das für Bekannte und Mitschüler einfach eine Phase, in der ich mich gerade befand, mit der Erwartung, dass ich irgendwann wieder damit aufhören würde. Wenn ich diese Leute heute treffe oder sie mich in den sozialen Medien sehen, wissen sie, dass ich mich offenbar immer noch in dieser Phase befinde und nicht vor habe sie zu beenden. Es gibt einfach ständig Neues zu entdecken und das nicht nur in der Musik selbst. Gerade die Aufnahmetechnik hat sich extrem weiterentwickelt, und immer wieder kommen neue technische Möglichkeiten und Raffinessen hinzu. Auch beim Gitarrenequipment wird es nie langweilig, weil die technische Entwicklung ebenfalls ständig voranschreitet. Am Ende des Tages muss man für sich selbst entscheiden, was davon wirklich sinnvoll ist und was man für sich nutzen möchte. Trotzdem entdeckt man immer wieder Möglichkeiten, den eigenen Sound oder die Arbeitsweise zu optimieren. Auch musikalisch ist das eine spannende Reise. Man analysiert die eigenen musikalischen Parameter und versucht, genau die Eigenheiten herauszuarbeiten, die den eigenen Stil ausmachen. Dabei geht es darum, sich ständig weiterzuentwickeln, ohne die eigene Identität zu verlieren. Im besten Fall entsteht etwas Neues, bei dem man sich weiterentwickelt aber gleichzeitig jeder sofort hört, dass es sich nur um ACCUSER handeln kann.
Metalbaer: Eure frühen Alben waren roher Thrash, mit Who Dominates Who? wurdet ihr extrem technisch, und in den 90ern kamen starke Groove-Einflüsse dazu. Passieren solche Entwicklungen bei euch geplant oder einfach organisch im Proberaum?
Frank: Tatsächlich sind es vor allem Einflüsse und die Neugier, mit unterschiedlichen Stilistiken zu arbeiten. Man geht dabei nicht unbedingt mit einem konkreten Plan vor. Veränderungen entstehen zunächst oft unbewusst. Erst wenn sich das neue Material langsam zu einem Gesamtbild zusammenfügt, wird einem klar, dass man die musikalischen Weichen wieder ein Stück anders gestellt hat und dass man mit den neuen Songs vielleicht für die eine oder andere Überraschung sorgen wird. Natürlich muss man sich bewusst sein, dass solche Veränderungen immer ein gewisses Risiko mit sich bringen. Man kann dadurch neue Fans gewinnen, gleichzeitig aber auch langjährige Hörer verlieren. Damit muss man leben, wenn man sich als Band nicht ständig wiederholen möchte. Heute betrachten wir unsere verschiedenen musikalischen Phasen eher als einen Querschnitt unserer gesamten Arbeit. Wir spielen bewusst mit den Elementen, die sich über die Jahre entwickelt haben. Gerade beim Songwriting ist es spannend, alte Parts oder Ideen wiederzuentdecken und deren musikalische Parameter in einen neuen Zusammenhang zu setzen. So entsteht etwas, das sowohl auf unserer Vergangenheit aufbaut als auch nach vorne schaut.
Metalbaer: Die Geschichte, wie das Publikum bei euren damaligen SCARTRIBE-Gigs unermüdlich alte ACCUSER-Songs gefordert hat, bis ihr die Band 2002 offiziell zurückgebracht habt, ist legendär. Wie hat sich dieser Moment angefühlt, als euch klar wurde, dass die Fans euch die Band nicht zu den Akten legen lassen?
Frank: Eigentlich war es eine große Erleichterung, wieder zu ACCUSER zurückzukehren, und dafür sind wir unseren Fans zu großem Dank verpflichtet. Mit SCARTRIBE wollten wir uns musikalisch noch einmal in einer anderen Form ausprobieren. Anfangs ist uns dieser Spagat auch gelungen, und wir konnten bewusst anders klingen. Letztendlich hat uns das Songwriting aber immer wieder eiskalt erwischt. Je mehr Material entstand, desto stärker rückte es musikalisch in Richtung ACCUSER. Irgendwann war für uns klar, dass das ein eindeutiges Zeichen war und wir aus dieser Nummer nicht wirklich herauskommen. Natürlich hätte man SCARTRIBE als Side-Projekt weiterlaufen lassen können. Aber davon sind wir keine großen Fans. Wir investieren unsere Zeit und Energie lieber in eine Sache und machen diese dann richtig. Für uns war deshalb die Rückkehr zu ACCUSER die konsequente Entscheidung und rückblickend fühlt sie sich absolut richtig an.
Metalbaer: Mit Rebirthless habt ihr 2024 ein bockstarkes neues Kapitel aufgeschlagen. Inwiefern spiegelt der Titel des Albums den Zustand und die Energie der Band im Jahr 2024 wider?
Frank: Der Titel Rebirthless passt für uns ziemlich genau zu dem Zustand, in dem sich die Band 2024 befunden hat. Es ging nie darum, einfach wiedergeboren zu werden und das Alte noch einmal aufzuwärmen. Wir wollten einen Schritt weitergehen ohne unsere Vergangenheit zu verleugnen, aber mit dem klaren Gefühl, dass wir gerade etwas Neues und Eigenständiges geschrieben haben. Rebirthless steht für diese Energie. Wir sind nach wie vor hungrig, neugierig und motiviert. Gleichzeitig steckt in dem Titel auch eine gewisse Konsequenz! Handle hier, jetzt und richtig und warte nicht auf Wunder.
Das war erst der Anfang! Frank hat bereits eindrucksvoll gezeigt, dass bei ACCU§ER halbe Sachen keinen Platz haben. Aber wartet ab, was noch kommt: Im zweiten Teil unseres Interviews widmen wir uns den harten 90er Jahren für den Thrash Metal, klären, was nachts um drei wirklich im Tourbus läuft, und Frank verrät mir exklusiv, welchem legendären 80er-Meilenstein er ohne zu zögern das seltene Metalbaer-Bärenstarksiegel verleihen würde. Bleibt dran!
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