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Accu§er - 40 Jahre Thrash: ACCU§ER über 90er-Frust, das Jahrhundert-Album und ewige Moshpits

Willkommen zurück, Freunde des gepflegten Thrash Metals! Hier ist wieder euer Metalbaer mit dem zweiten Teil meines E-Mail-Interviews mit Frank Thoms von ACCU§ER. Im ersten Teil haben wir die Entstehungsgeschichte, die treibenden Kräfte der Band und ihr aktuelles Album Rebirthless beleuchtet. Jetzt steigen wir tief in die harten 90er Jahre ein, lüften ein paar gut gehütete Tourbus-Geheimnisse und vergeben endlich das absolute Bärenstarksiegel. Viel Spaß beim Weiterlesen!

Metalbaer: Die 90er waren für Thrash Metal ein hartes Pflaster, plötzlich wollten alle Grunge hören. Was war euer skurrilstes oder zutiefst frustrierendes Erlebnis bei einem Gig in dieser Zeit?

Frank: Eigentlich hatten wir in dieser Zeit eine längere Pause mit ACCUSER eingelegt, hatten die Veränderungen in der Hörerschaft aber bereits vorher deutlich zu spüren bekommen. Offiziell haben wir uns nie aufgelöst. 1996 waren wir noch mit OVERKILL auf Tour und haben uns anschließend anderen Dingen des Lebens zugewandt. Nach zehn Jahren musikalischer Arbeit waren wir schlicht völlig ausgelaugt. Dazu kam, dass die Motivation, nach vorne zu schauen, durch die spürbaren Veränderungen in der Szene zunehmend eingeschränkt war.

Nachdem ich meine Gitarre schließlich an die Wand gehängt hatte, blieb ich der Musik trotzdem als Zuhörer verbunden. Und ich muss gestehen, dass mir aus dieser Zeit einiges sehr gut gefallen hat. Ich konnte durchaus nachvollziehen, dass die Leute nach anderen Dingen Ausschau hielten und sich ein Stück weit von der Metal-Szene entfernten.

Ich selbst habe diese Pause genossen und viele andere Dinge für mich entdeckt. Irgendwann stieg dann aber eine gewisse Unruhe in mir auf. Plötzlich hatten auch viele andere das Gefühl, irgendetwas zu vermissen. Und da war es wieder, dieses Ding, dieser Gamechanger, unser Lebenselixier! METAL betrat wieder unser Leben. Und es ging mit voller Motivation weiter.

Rückblickend betrachtet hat diese Phase den METAL sicherlich breiter aufgestellt. Es gibt heute wesentlich mehr Genres und Spielarten, sodass eigentlich für jeden etwas dabei ist. Aktuell staune ich allerdings ein wenig über die Entwicklung der Metal-Festivals nach Corona. Teilweise werden Bands gebucht, die meines Erachtens nicht unbedingt zusammenpassen, und hier und da entsteht eine Art Jahrmarkt-Atmosphäre mit einem gewissen Metal-Tourismus-Charakter.

Letztendlich gönne ich jedem seinen Spaß. Aber wie bei der Musik selbst muss jeder für sich entscheiden, was ihm gefällt und was nicht. Genau diese Freiheit gehört für mich auch zum Metal.

Metalbaer: Ihr habt bekanntermaßen schon Foreigner oder Nine Inch Nails gecovert. Wenn man nachts um drei Uhr bei euch im Tourbus das Radio anmacht – was läuft da heimlich, womit absolut niemand rechnen würde?

Frank: Wir sind da nicht sonderlich wählerisch. Mal ballern wir laut die Klassiker bis hin zu aktuellen Sachen, ein anderes Mal läuft einfach nur das Radio und wir lassen uns von den Top 10 berieseln. Oder man klinkt sich mit Kopfhörern komplett aus, spielt Online-Games und entdeckt nebenbei die Welt der sozialen Medien.

Eigentlich ist das eine Atmosphäre wie bei einer Familienfahrt in den Urlaub. Jeder macht sein eigenes Ding, musikalisch ist alles erlaubt und am Ende zählt vor allem, dass man gemeinsam unterwegs ist und ein Ziel hat.

Metalbaer: Auf Metalbaer verleihe ich Alben, die die vollen 10 Punkte abräumen, das seltene "Bärenstarksiegel". Wenn ihr dieses Siegel an ein einziges legendäres Thrash-Album der 80er (außer euren eigenen!) vergeben müsstet – welches wäre das?

Frank: Da muss ich nicht lange überlegen. Das Jahrhundert-Album! SLAYER - REIGN IN BLOOD

Metalbaer: Wenn man den Sound von ACCUSER in eine Flasche füllen könnte – wie würde das dazugehörige Bier heißen und ab wie viel Promille bricht unweigerlich der Moshpit los?

Frank: Bildmaterial anbei!

Metalbaer: Ihr ballert seit fast 40 Jahren live alles weg. Wie sieht es heute vor der Bühne aus – moshen die alten Weggefährten von damals mittlerweile gediegener am Rand, oder gibt die junge Generation den Ton im Pit an?

Frank: Eigentlich ist es noch genauso, wie es schon immer gewesen ist. Jung und Alt treffen sich vor der Bühne, feiern, trinken und haben gemeinsam Spaß. Der eine bewegt sich etwas weniger, der andere etwas mehr, ganz so, wie es gerade gefällt. Genau das macht für mich einen großen Teil der Faszination dieser Szene aus.

Für mich ist das eine der schönsten Erfahrungen überhaupt, und sie zeigt keinerlei Abnutzungserscheinungen. Diese generationenübergreifende Gemeinschaft und die Leidenschaft, die dahintersteckt, sind etwas ganz Besonderes.

Dafür 1.000 Dank und herzlichen Glückwunsch an alle, die dabei und Teil dieser Szene sind.

Ein riesiges Dankeschön geht an Frank Thoms für die Zeit, die ausführlichen Antworten per E-Mail und diese unfassbar ehrlichen Einblicke in fast 40 Jahre Thrash-Metal-Geschichte. Hört euch Rebirthless an, unterstützt die Band und vor allem: Geht auf die Konzerte! Wer direkt die Chance ergreifen will: Am 26.09. spielen ACCU§ER zusammen mit Wrath Symmetry und YMP bei uns im alten Kino Landeck. Kommt vorbei und haltet den Moshpit am Leben!

 

In diesem Sinne

Cheerz

Der Baer🤘🏼🐻🤘🏼

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