Aus einem leeren Schlachthofdachboden haben sich Steep rush ein Metaldomizil geschaffen, das alles bietet, was das Herz begehrt. Man spürt bereits beim Eintreten die Magie, die hier passiert, und die Leidenschaft, die die Newcomer nun seit fast zwei Jahren in ihre Musik stecken.
Ländliche Idylle, irgendwo in der Pampa Tirols. Ich war mir zuerst nicht sicher, ob ich an dem Standort, den mir Jonas zugeschickt hatte, auch wirklich richtig bin. Ein kleiner Schlachthof an einem Ort in Strengen, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Als dann aber richtig gute Musik und Stimmen aus dem Fenster des oberen Stockes drangen, war ich mir sicher: Hier bin ich richtig.
Nach einem herzlichen Empfang und bei einem kalten Bier kam ich mit den Jungs schnell in ein sehr gutes Gespräch. Es war ein total gemütlicher Abend mit drei unglaublich sympathischen Musikern, die ein ganz besonderes Detail verbindet. Steep rush ist ein echtes Familienprojekt. Die Band besteht aus den zwei Brüdern Jonas und Noah sowie ihrem Cousin Johnny. Das Kuriose daran ist, dass eigentlich alle drei ausgebildete Musiker am Schlagzeug sind.
Die musikalischen Wurzeln liegen dabei tief in der Familie. Der Vater von Noah und Jonas gilt als großes Vorbild für die Band. Die Jungs erinnern sich noch lebhaft daran, wie er schon in ihrer Kindheit mit einer echten Rockermähne an der Gitarre zupfte. Für die damalige Zeit war das in unserer Gegend eher ein ziemlicher Einzelfall, der definitiv prägend gewirkt hat.
Genau diese Begeisterung brachte mich zu meiner ersten Frage an die Truppe.
Metalbaer: Wie ist Steep rush eigentlich entstanden?
Jonas (Sänger): Wir sind ja alle drei Musiker der Musikkapelle Strengen und sind alle drei am Schlagzeug ausgebildet. Dafür haben wir auch jahrelang die Musikschule besucht. Noah war eigentlich der Erste, der aus diesem Muster ausgebrochen ist. Er folgte dem Vorbild unseres Vaters und hat sich selbst im Zimmer das Gitarrespielen beigebracht. Ich habe natürlich mitbekommen, wie er immer besser und besser wurde. Mir war klar, dass dies hier verschwendetes Talent war und dass Noah vor Publikum auftreten muss. Also haben wir uns noch Johnny ins Boot geholt und fingen einfach mal an zu jammen. Dass daraus eine Band wird, war uns damals eigentlich noch nicht klar.
Metalbaer: Wie empfindet ihr als Newcomer die Proberaumsituation und die Möglichkeit, Konzerte zu spielen für neue Bands?
Noah (Gitarrist): Es war generell ziemlich schwer, überhaupt einen Proberaum zu finden. Anfangs durften wir im Probelokal der Musikkapelle Strengen proben. Dafür waren wir auch wirklich sehr dankbar, aber irgendwann wurde es einfach zu arbeitsintensiv, jedes Mal das komplette Equipment aufzubauen und wieder abzubauen. Nach einer Begehung des Schlachthofes mit dem Bürgermeister haben wir dann in kompletter Eigeninitiative diesen Proberaum in den großen leeren Dachboden des Schlachthauses gebaut. Was die Auftritte angeht, haben wir als neue Band natürlich einfach noch nicht sehr viele Connections. Aber wir merken, dass die Szene im Generellen extrem hilfsbereit ist und man sich gegenseitig super supportet. Das motiviert uns total, unseren eigenen Weg zu gehen und jede Chance auf der Bühne zu nutzen.
Die Jungs erzählten mir im Anschluss, dass sie den Bau des Proberaums natürlich niemals nur zu dritt stemmen hätten können. Sie sind unglaublich dankbar für ihre vielen helfenden Freunde. Einer von ihnen erlitt leider nach der Fertigstellung des Baus einen tragischen Unfall, ist seither querschnittgelähmt und sitzt im Rollstuhl. Um ihn zu unterstützen, hat die Band bereits Benefizkonzerte gespielt, um Spenden für ihn zu sammeln. Eine großartige Geste, die zeigt, wie stark der Zusammenhalt hier ist.
Das brachte uns direkt auf das Thema Liveauftritte.
Metalbaer: Eure allerersten Schritte auf eine Bühne, wie sahen die aus und was war das einprägsamste Erlebnis bei eurem Debüt?
Jonas: Unser erstes Konzert war tatsächlich am Fußballplatz. Wir haben dort sogar selbst die Bühne aufgebaut und dann einfach mal ein drei Stunden Set gespielt. Nachdem das Konzert so extrem erfolgreich war und die Besucher dermaßen begeistert waren, gab es am Ende dann doch noch eine Gage für uns.
Metalbaer: Wie sieht es eigentlich mit eurer Fangemeinde aus? Spürt ihr da schon einen gewissen Rückhalt?
Band: Wir sind wirklich sehr glücklich darüber, dass wir eine doch sehr junge und verhältnismäßig große Fangemeinde hinter uns haben. Das hat sich auch bei unserem Konzert in Innsbruck wieder toll widergespiegelt. Wir waren tatsächlich die einzige Band, die dort Merch verkauft hat, und gefühlt ist jeder Zweite mit einem Steep rush Shirt herumgelaufen. Das ist schon ein wahnsinnig cooles Gefühl.
Metalbaer: Wie würdet ihr als Newcomer die Situation zwischen den Undergroundbands selbst einschätzen. Herrscht viel Konkurrenzdenken oder wird in der Szene gegenseitiger Support noch groß geschrieben?
Johnny (Schlagzeuger): Konkurrenzdenken würde ich sofort verneinen. Aber natürlich bist du schon sehr auf dich selbst gestellt. Jetzt ist es schon ein bisschen besser, da wir bereits ein paar Kontakte und andere Bands kennengelernt haben. Haui von Silius zum Beispiel hat uns mit so manchem Rat schon enorm weitergeholfen und unterstützt uns sehr. Aber im Großen und Ganzen ist es immer noch ein hartes Stück Arbeit, Gigs zu bekommen.
Steep rush begann eigentlich als reine Coverband, die drei wollen nun aber verstärkt eigene Sachen veröffentlichen. Bei ihrem nächsten Auftritt im Alten Kino am 9. Mai wollen sie deshalb eine Mischung aus selbstgeschriebenem Material, aber auch einigen Metalklassikern auffahren.
Metalbaer: Euer nächster Gig steht am 9. Mai im Alten Kino in Landeck an. Wie geht es euch, wenn ihr an diesen Auftritt denkt?
Band: Wir sind extrem heiß darauf, endlich dort spielen zu können. Das Alte Kino in Landeck ist natürlich eine sehr wichtige Instanz in der Oberländer Metalszene und wir freuen uns schon sehr darauf, dort spielen zu dürfen. Natürlich ist auch ein gewisser Grad an Nervosität dabei, aber die Vorfreude darauf, die Bühne zu rocken, überwiegt im Moment noch.
Metalbaer: Wie war es für euch bei der Planet Festival Tour vor einem Publikum zu stehen, das eigentlich zu 80 Prozent aus nicht Metalheads bestand?
Noah: Um etwas weiter auszuholen: Alles hat damit angefangen, dass wir vor dem Innsbruck Auftritt Tickets zugeschickt bekommen haben, die wir selber vertreiben mussten. Das war irgendwie schon der erste Teil vom Wettbewerb, damit wollte der Veranstalter sehen, wie gut wir die Leute für uns begeistern können. Das hat doch ganz gut geklappt, wir hatten eine Crowd von 50 Leuten mit dabei. Aber wir mussten nicht nur das Publikum überzeugen, es war auch eine Jury vor Ort. Es war aber faszinierend, wie sehr wir diese auf der Tribüne mitgerissen haben. Die Jury ist nach dem Auftritt auch zu uns gekommen und hat uns erzählt, dass es vor unserem Auftritt noch keinen Stagedive bei diesem Wettbewerb gab. Für uns war es auch sehr animierend, als sich ein Moshpit direkt vor der Bühne aufgetan hat. Man muss aber auch dazu sagen, dass das Lineup in Innsbruck viel rocklastiger und metallastiger war als das in Wien. Natürlich wurde es im Semifinale dann schwieriger, die Leute dazu zu animieren, mit nach Wien zu fahren. Das ist auch wahrscheinlich der Grund, warum in diesem Wettbewerb noch nie eine Tiroler Band gewonnen hat. Einfacher ist es natürlich für eine Wiener Band, die ihre Fangemeinde direkt vor der Haustür hat, Leute anzuziehen.
Metalbaer: Ich habe ja leider nur die Videos dazu gesehen, aber was mir sofort aufgefallen ist: Ihr wisst schon sehr genau, wie ihr euer Publikum animiert! Habt ihr eigentlich ein bestimmtes Bandritual, bevor ihr auf die Bühne geht?
Jonas: So oft haben wir ja noch nicht live gespielt, um ein festes Ritual zu entwickeln. Aber beim letzten Konzert haben wir, bevor wir die Bühne betreten haben, alle zusammen mit einem Glas Rum angestoßen.
Noah: Ich mache meistens meine Übungen und spiele mich warm. Was ich aber absolut nicht abkann, auch nicht vor den Proben, sind schmutzige Hände. Also würde ich sagen, dass das Händewaschen für mich zu einem Ritual geworden ist.
Johnny: Ich genieße vor dem Auftritt einfach den Moment, das Kribbeln und den leichten Anflug von Lampenfieber. Das verschwindet aber sofort wieder mit dem ersten Kick meines Schlagzeugs.
Zum Abschluss dieses tollen Abends durfte ich nach dem Interview noch bei einer kleinen Jam Session zuhören. Bei absoluten Klassikern von Pantera, Metallica, Motörhead und Konsorten war die Energie und die pure Freude am Spielen der Jungs mehr als deutlich zu spüren. Um mich so richtig an ihrem Probealltag teilhaben zu lassen, haben die drei auch einfach mal improvisiert und ein Stück, das sie so noch nie gespielt haben, direkt vor mir zum Besten gegeben. Ein wahrlich gelungener Abschluss für diesen großartigen Besuch. Ich freue mich nun jedenfalls schon sehr auf den Auftritt am 09.05. 2026 im Alten Kino Landeck!
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