Zum Hauptinhalt springen

The Devastation

Foto: ©Stefan Knittel

Interview: Im Schatten von Wien mit DEMETRA

Servus Metalheads! Hier ist wieder euer Metalbaer. Frisch aus dem Juli-Urlaub zurück im heimischen Tirol, werfen wir heute einen tiefen Blick in den finsteren Osten unserer Alpenrepublik. Wenn man an Wien denkt, denkt man unweigerlich an eine gewisse Morbidität – den perfekten Nährboden für drückenden, okkulten Doom und feinsten Metal. Genau dort treibt Demetra (Sängerin von The Devastation) ihr Unwesen. Schwarze Lederjacke gerichtet, Boxen auf Anschlag – hier ist mein exklusiver Talk mit einer der spannendsten Frontfrauen, die der österreichische Underground aktuell zu bieten hat.

 

Metalbaer: Wien und Okkultismus – das passt wie die Faust aufs Auge. Inwiefern beeinflusst der morbide Charme deiner Heimatstadt Wien deinen Sound und deine "Occult Metal"-Ästhetik?

Demetra: Wien ist für mich der Inbegriff des Doom: Eine Atmosphäre der Melancholie hängt über der Stadt, der man nicht entkommen kann. Die Stadt und ihre Menschen schwelgen in der Schönheit des Verfalls und der Vergänglichkeit, und diese Akzeptanz erzeugt eine Gelassenheit, Ruhe und letztlich den Wiener Schmäh und Charme. Wir verweilen bewusst im Schatten und kämpfen nicht gegen ihn. Der beste Soundtrack für einen Wien-Spaziergang? Eindeutig früher Black Sabbath, Pentagram und Candlemass.

 

Metalbaer: Eine absolut großartige Mischung! Lass uns über euer eigenes Material sprechen: Kannst du uns etwas über die Entstehung eures aktuellen Releases 'Fragments Of Our Nightmares' erzählen? Was ist die konzeptionelle Essenz dahinter?

Demetra: Ich bin fasziniert von der Dunkelheit in und um uns, die wir versuchen zu verdrängen. Durch meine Musik kann ich mich z. B. meinen Albträumen stellen und habe sie unter einer gewissen Kontrolle. Bei den zwei Liedern von Fragments geht es genau darum: Monster wie Leviathan sind oft Symbole für tief verwurzelte Ängste und das Unbekannte. Sie lauern an der Schwelle zwischen Ordnung und Chaos. Und wir alle kämpfen auch mit unseren inneren Monstern, mit Abhängigkeiten diverser Art, die dann einen Glitch in unserem Bewusstsein erzeugen.

 

Metalbaer: Ende Mai habt ihr im Wiener Gasometer gespielt – für viele ein massiver Meilenstein. Wie hat es sich angefühlt, diese legendäre Bühne abzureißen, und was war dein persönliches Highlight?

Demetra: Für mich war es einfach unbeschreiblich, auf der gleichen Bühne zu stehen wie Megadeth, Slayer und Arch Enemy. Es war bis dahin die größte Bühne, auf der wir gespielt hatten, vor dem meisten Publikum. Wenn man da die Stufen raufgeht, schlägt das Herz ganz schön vor Freude und Aufregung. Aber als die Show dann losging, wusste ich einmal mehr, dass dies genau das ist, wofür ich lebe.

 

Metalbaer: Meine Mission ist es ja, den Underground im Alpenraum zu pushen. Wie nehmt ihr als stark aufstrebende Band aktuell den Zusammenhalt und den Support im heimischen Metal-Underground wahr?

Demetra: Die heimische Undergroundszene hat uns von Anfang an mit offenen Ohren und Armen aufgenommen. Mir war anfangs gar nicht bewusst, dass wir Underground sind, ich wollte einfach nur Musik machen. Unser Local-Support-Gig für Year of the Goat / The Night Eternal im Wiener Viper Room hat uns viele Türen geöffnet. Mittlerweile bin ich auch gut vernetzt mit anderen Bands und lerne enorm als Mensch und Musiker von dem Austausch mit erfahrenen Leuten in der Szene. Ich habe hier wirklich meine zweite Familie gefunden. Ich treffe so viele gleichgesinnte Menschen, die genauso vom Metal besessen sind wie ich. Und viele haben es geschafft, davon auf welche Weise auch immer leben zu können. Das gibt mir große Hoffnung. Auch haben wir großartige Unterstützung von Online-Webzines. So dokumentiert PIX666 seit unserem Viper Room Gig den Werdegang der Band. Und jetzt hast auch du uns gefunden, Metalbaer🐻!

 

Metalbaer: Hell yes, das habe ich! Euer Sommer-Line-up 2026 war und ist gewaltig: Donauinselfest, Metalnight Ternitz, Area 53, Metal Escalation. Wie lief es bisher auf den Festivals?

Demetra: Das Donauinselfest ist das größte Gratis-Open-Air-Festival Europas. Und da noch dazu auf der 88.6 Bühne um 18:40 Uhr ein volles Set spielen zu dürfen, ist eine enorme Anerkennung. Da war sehr viel verschiedenes Publikum, nicht nur Metalheads, und wir konnten hoffentlich viele von Metal überzeugen, die vielleicht sonst anderes hören. Backstage habe ich Johannes Eckerström von Avatar (die Headliner waren) kennenlernen dürfen – da war ich aufgeregter als auf der Bühne! Am nächsten Tag haben wir dann auf der Metalnight Ternitz gespielt, veranstaltet von Metal Fans Austria. Da waren dann nicht 1000e, sondern 100e, aber dafür unsere Metal-Familie. Dementsprechend war auch die Stimmung auf und hinter der Bühne. Das Grillfest für die Bands backstage war der perfekte Ausklang für unser Festivalwochenende.

 

Bei Area 53 durften wir als Gewinner des Bandcontests auftreten. Ich hatte die größte Sorge, ob überhaupt wer kommen wird, da wir am zweiten Tag um 13:20 Uhr spielten. Und dann die größte Überraschung: Das Gelände war voll, die Stimmung überwältigend und wir hatten nicht nur einen Moshpit, sondern auch eine lange Schlange bei unserer ersten Autogrammstunde. Ach ja, und so nebenbei hatten wir auch unsere erste Pyrotechnik auf der Bühne… Backstage war ich dann wieder auf meiner eigenen Fan-Mission und habe Fotos mit Udo Dirkschneider und Arch Enemy als Erinnerung. Area 53 war eine perfekte Mischung von unseren beiden letzten Festivals. Viele heimische Bands, große Stars, riesiges Gelände, aber familiäre Atmosphäre. Bin schon sehr gespannt auf Metal Escalation nach unserer Sommerpause!

 

Metalbaer: Wenn man euch live sieht, fällt sofort auf: Euer visuelles Konzept ist enorm stimmig und düster. Wie wichtig ist für euch die optische Inszenierung – von den Bühnen-Outfits bis zum Band-Artwork – um eure Musik zu transportieren?

Demetra: Mir ist es wichtig, nicht nur Lieder hintereinander zu spielen, sondern eine Geschichte zu erzählen. Mein Alter Ego „The Woman in the Black Veil“ führt das Publikum durch den Abend, trifft auf verschiedene Charaktere wie z. B. Leviathan, Persephone, Pyromancer und den Doktor. Und Glitch schließt dann den Kreis und erklärt quasi ihre Entstehung. Ästhetik und Konzept der Musik müssen sich aber auch visuell widerspiegeln, da darf man nichts dem Zufall hinterlassen.

 

Durch meine Bühnenoutfits versuche ich einen Bezug zu meinen Texten herzustellen. So trete ich bei unserem ersten Lied „Woman in the Black Veil“ immer mit meinem schwarzen Schleier auf. Unser Logo ist von Christophe Szpajdel, dem „Lord of the Logos“, der ausschließlich Metal-Logos zeichnet. The Devastation ist die jüngste Band, für die er je ein Logo erstellt hat. Das Design zu unserem Woman in the Black Veil-Shirt stammt von Daniel Neagoe, dem Sänger der rumänischen Band Clouds, die ich bei unserem Auftritt beim letzten Doom over Vienna kennengelernt habe. Ich war so begeistert von dem Festival-T-Shirt, das er designt hat, und hab ihn später einfach gefragt, ob er sich vorstellen könnte, unser erstes T-Shirt zu gestalten. In Zukunft würde ich gerne noch mehr mit Bühnenrequisiten arbeiten.

 

Metalbaer: Ihr hattet auch ein Gastspiel in der Rockbühne auf Radio 88.6. Wie wichtig ist das klassische Radio heute noch für eine Underground-Band im Vergleich zum reinen Streaming?

Demetra: Das Lustige ist, dass wir heuer auf vier Bühnen gespielt haben, wo Radio 88.6 ein Sponsor war, aber 88.6 hatte bis jetzt noch kein Interesse an unseren Songs. Wir haben eine gute Präsenz auf Internet-Radiostationen, sowohl lokalen (Dark Metal Asylum und Seeds of Doom) als auch internationalen (Metallicave, Doomnation Radio, Heavy Metal Tones, Heatstrokes). Abgesehen davon, dass sie wirklich nicht nur in der Szene sind, sondern auch die Szene schaffen, ist die Reichweite dort um Längen größer und grenzüberschreitender als das klassische Radio.

 

Metalbaer: Lass uns kurz in den Bandkeller schauen: Wie läuft das Songwriting bei The Devastation ab? Wer bringt die Riffs, wer sorgt für die okkulte Atmosphäre – und woher zieht ihr eure Inspiration?

Demetra: Ich schreibe alle Lyrics, bringe die okkulte Atmosphäre rein und bin der wahre Metalhead in der Band. Die Musik stammt entweder von Felix oder von mir. Und unser Arrangement finden wir dann bei den gemeinsamen Proben. Glitch ist der erste Song, den wir alle vier zusammen im Bandkeller geschaffen haben.

 

Metalbaer: Booking und Promo fressen im Band-Alltag enorm viel Zeit. Wie teilt ihr euch diese Arbeit bandintern auf, um eine so dichte Festival-Saison an Land zu ziehen?

Demetra: Derzeit managt uns noch meine Mutter. Ich kümmere mich um alles andere: die Social Media, die Website und das Networking.

 

Metalbaer: Was steht nach diesem intensiven Live-Sommer bei euch im Kalender? Geht es direkt an neues Material für ein komplettes Album?

Demetra: Der Herbst-Konzertkalender füllt sich. Wir spielen zum ersten Mal auch in Deutschland, und zwar am 10.10. in Passau beim Heavy Rockfest, und hoffen in Zukunft auch auf mehr Konzerte außerhalb Österreichs. Besonders freue ich mich, dass wir eingeladen wurden, beim "20 Jahre Doom over Vienna"-Festival im Metal Escape Corner spielen zu dürfen. DOV ist ein kleines, internationales und ganz spezialisiertes Festival – und ich liebe Doom! Bald wird auch unser erstes Video herauskommen, und ich kann nur so viel dazu sagen, dass wir nicht einfach nur herumstehen und so tun, als würden wir unsere Instrumente spielen… Und natürlich träumen wir davon, unser erstes (Konzept-)Album herausbringen zu können. Aber da muss schon alles passen, nicht dass wir was rausbringen, wo wir uns dann in ein paar Jahren denken: "Was war denn das?"

 

Vielen Dank an Demetra für dieses offene und ehrliche Gespräch!

 

Genau für solche Leidenschaft schlägt mein Herz: Echter, tiefgründiger Metal aus unserer Heimat, der auf der Bühne ohne Kompromisse abliefert. Der heimische Underground lebt von Bands wie dieser, die eine klare Vision haben und sie mit ganzer Kraft durchziehen.

 

Supportet unsere Szene, hört ins aktuelle Release rein und vor allem: Geht zu den Shows und lasst die Clubs beben!

 

In diesem Sinne

Cheerz

Der Metalbaer 🐻🤘

 

Kommentar hinzufügen

Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare.

Erstelle deine eigene Website mit Webador