Foto: ©Fabian Schirgi
Servus Metalheads! Der Alpine Underground bebt wieder. Am Samstag, den 22. August 2026, rufen die Blackened-Death-Metaller von Jesajah und der Sk8'n'Roll-Club Pfunds zum mittlerweile fünften Mal ins Tiroler Oberland: Das Hell over Valhalla OpenAir steht an!
Dieses Jahr haben die Jungs ein massives Statement vorbereitet: Das Line-up ist ein reines „Tyrolean Special“ und bringt ausschließlich Bands aus unserer Region auf die Bühne. Um euch richtig auf das Event einzustimmen, habe ich mir Hungerleider, den Sänger und Frontmann von Jesajah, für ein ausführliches Interview geschnappt.
Weil fünf Jahre Underground-Geschichte jede Menge Gesprächsstoff bieten, veröffentliche ich dieses exklusive Feature in zwei Teilen. Heute in Teil 1 blicke ich zurück auf die Anfänge nach der Pandemie, den Kampf mit dem Kirchenrat, skurrile Lärmbeschwerden und kulinarische Höhepunkte.
Schnappt euch ein kühles Bier und taucht ein in die Geschichte des Hell over Valhalla!
Metalbaer: Fünf Jahre Hell over Valhalla! Gehen wir mal ganz an den Anfang zurück: Wie ist die Idee zu diesem Festival in Pfunds überhaupt entstanden, und wer hatte damals die glorreiche Idee, ein extremes Metal-Event im Oberland aufzuziehen?
Hungerleider (Jesajah): Damals kamen mehrere Dinge zusammen: Nach der Pandemie durfte man langsam wieder Lokale besuchen und Veranstaltungen organisieren. Bei einem unserer gemütlichen „Zammsitzer“ meinte Uschi vom Valhalla – dem damaligen Pub beim Pavillon Pfunds –, dass sie gerne ein Konzert mit Jesajah veranstalten würde.
Wir hatten natürlich sofort Bock darauf. Nach den langen Corona-Einschränkungen waren alle wieder hungrig nach Veranstaltungen – egal ob als Besucher, Veranstalter oder Band. Also haben wir uns zusammengesetzt, erste Ideen gesammelt und schließlich ein Konzept ausgearbeitet. Trotz einiger Herausforderungen und anfänglicher Widerstände seitens des Kirchenrates konnte 2022 schließlich die erste Ausgabe des Hell over Valhalla OpenAirs stattfinden.
Metalbaer: Ein Festival zu organisieren ist ein Haufen Arbeit. Wie kam es damals zur Partnerschaft mit dem Sk8'n'Roll-Club Pfunds, und wie teilt ihr euch seither die ganze Orga auf, damit am Ende alles glattläuft?
Hungerleider: Während der ersten drei Ausgaben gab es das Valhalla Pub noch. Dadurch erhielten wir wertvolle Unterstützung und konnten von der Erfahrung von Uschi und ihrem Team profitieren. Auch der Sk8’n’Roll-Club Pfunds war von Anfang an mit dabei. Als das Valhalla geschlossen wurde, übernahm der Sk8’n’Roll-Club bei der vierten Ausgabe schließlich den gesamten Ausschank.
In der Vorbereitung versuchen wir, die verschiedenen Zuständigkeiten möglichst klar aufzuteilen. Dadurch weiß jeder, welche Aufgaben anstehen und wofür er verantwortlich ist. Zuerst mit dem Valhalla und später noch stärker mit dem Sk8’n’Roll-Club ist eine Partnerschaft entstanden, bei der jeder seinen Teil beiträgt. Genau daraus ergeben sich wertvolle Synergieeffekte. Trotzdem darf man den Aufwand nicht unterschätzen: Hinter einem solchen Abend stecken monatelange Planung, zahlreiche Besprechungen und sehr viele freiwillige Arbeitsstunden.
Metalbaer: Wenn ihr auf die letzten vier Ausgaben zurückblickt: Was war dein absoluter Lieblingsmoment auf oder hinter der Bühne, und was war das skurrilste oder lustigste Erlebnis, das ihr so schnell nicht vergessen werdet?
Hungerleider: Zu den skurrilsten Erlebnissen gehören sicherlich die Versuche des Kirchenrates im Jahr 2022, unsere Veranstaltung zu verhindern. Schlussendlich sind wir dann auf den Pfarrer zugegangen und haben gemeinsam mit der Bürgermeisterin ein Treffen organisiert. Dabei konnten wir offen miteinander sprechen, Missverständnisse ausräumen und die Wogen glätten. Wenn ich heute daran zurückdenke, freut es mich vor allem, dass die Angelegenheit auf eine freundliche und verständnisvolle Weise geklärt werden konnte.
Auch 2025 gab es eine kuriose Geschichte: Drei Tage vor dem Hell over Valhalla OpenAir wurden Beschwerden beziehungsweise Anzeigen wegen Lärmbelästigung eingebracht. Das Skurrile daran war, dass die Veranstaltung zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht stattgefunden hatte. Es wurde sich also über einen Lärm beschwert, der noch in der Zukunft lag. Dass das so nicht funktionieren kann, liegt eigentlich auf der Hand – deshalb mussten wir darüber schon ein wenig schmunzeln.
Einen einzigen Lieblingsmoment auszuwählen, fällt mir hingegen schwer. Durch das Hell over Valhalla durften wir unglaublich viel erleben, wertvolle Erfahrungen sammeln und zahlreiche neue Freundschaften knüpfen. Besonders schön ist immer der Moment, wenn nach der langen Vorbereitung die erste Band auf der Bühne steht, der Platz gefüllt ist und man merkt: Die ganze Arbeit hat sich gelohnt.
Metalbaer: Ihr habt die Messlatte für Underground-Festivals von Anfang an hoch gelegt – letztes Mal stand ja sogar ein Haubenkoch am Grill. Wie hat sich das kulinarische und visuelle Rahmenprogramm (wie die Tattoo-Stationen) über die Jahre entwickelt?
Hungerleider: Unser Haubenkoch steht tatsächlich bereits seit der ersten Ausgabe am Grill. Weiny vom Sk8’n’Roll-Club Pfunds überlegt sich jedes Jahr besondere Gerichte, um die Besucher:innen beziehungsweise die hungrigen Metalheads zu versorgen. Der „Black Beef Burger“ mit schwarzem Burgerbrot war beispielsweise absolut genial. Man merkt einfach, mit wie viel Leidenschaft und Kreativität er kocht.
Auch beim restlichen Rahmenprogramm versuchen wir, uns jedes Jahr weiterzuentwickeln. Für uns ist das Hell over Valhalla OpenAir nicht einfach nur ein Konzertabend, den man besucht. Es soll vielmehr eine eigene Welt sein, in die man für einen Abend eintauchen kann. Deshalb ist es uns wichtig, das Festival laufend zu verbessern und den Gästen immer wieder etwas Neues zu bieten. Bei der fünften Ausgabe gibt es beispielsweise erstmals eine Piercing-Station. Zusätzlich wird es einen Stand mit düsteren Lederarbeiten und Knochenkunst sowie erneut die Möglichkeit geben, sich direkt vor Ort tätowieren zu lassen.
Metalbaer: Pfunds liegt tief in den Bergen, nicht gerade im klassischen Ballungszentrum für Konzerte. Wie hat die lokale Bevölkerung und die Region in den vergangenen Jahren eigentlich auf die Invasion der Metalheads reagiert?
Hungerleider: Das ist eine schöne Frage, weil sie uns zu Themen wie Diversität, Zusammenleben und vor allem Toleranz führt. Gerade zu Beginn, bei der ersten Ausgabe im Jahr 2022, gab es einzelne Gruppen, die sich unserer Meinung nach übertrieben stark über die Veranstaltung empörten. Dafür gab es allerdings wenig konkreten Anlass, weshalb uns im Gegenzug viele Menschen ihre Solidarität und Unterstützung gezeigt haben.
Die zahlreichen Besucherinnen und Besucher sprechen mittlerweile für die Beliebtheit des Festivals. Gleichzeitig sind die kritischen Stimmen über die Jahre deutlich leiser geworden. Inzwischen hat sich das Hell over Valhalla etabliert und wird von Gästen aus der Region, aber auch von weiter her besucht. Ich glaube außerdem, dass der Austragungsort einen wesentlichen Teil des besonderen Charakters ausmacht. Der Pfundser Musikpavillon mit dem traditionellen Giebel mitten im Dorf verleiht dem Festival eine Atmosphäre, die man nicht einfach an einen anderen Ort übertragen könnte. Das Hell over Valhalla wäre nicht dasselbe, wenn es nicht genau dort stattfinden würde.
Das war der erste Streich! Ein riesiges Danke an Hungerleider für diese ehrlichen und oft auch zum Schmunzeln anregenden Einblicke in die ersten Jahre des Festivals. Man merkt einfach, wie viel Herzblut und ehrenamtliche Arbeit hier im Tiroler Oberland in die Szene gesteckt wird.
Aber ich bin noch lange nicht fertig! In Teil 2 meines großen Interviews, der in wenigen Tagen hier auf Metalbaer online geht, blicke ich voll nach vorn: Hungerleider verrät uns alles über das diesjährige „Tyrolean Special“, wie sie den Headliner-Coup mit Perchta (einzige Österreich-Show 2026!) gelandet haben, wie der Zeitplan aussieht und wo die Reise des Festivals in den nächsten fünf Jahren noch hingehen soll.
Markiert euch schon mal den 22. August 2026 dick im Kalender – wir lesen uns in Teil 2!
In diesem Sinne
Cheerz
Der Baer
Foto: ©Fabian Schirgi
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