Wenn Musik zum Spiegelbild menschlicher Abgründe wird: Seit ihrer Gründung im Jahr 2013 im baden-württembergischen Künzelsau/Öhringen walzen Entgeist durch die deutsche Underground-Landschaft und fusionieren die rohe Brutalität des Death Metal mit der eisigen Melancholie des Black Metal. Bereits bei unserem früheren Interview mit der Band wurde deutlich, dass hinter ihrem Schaffen eine tiefgründige, kompromisslose Vision steckt – und dass einen hier kein stumpfes Geknüppel erwartet. Als komplett eigenständiger Independent-Act ohne Label im Rücken beweisen sie mit ihrem neuen Werk eindrucksvoll, dass sich über ein Jahrzehnt im Untergrund auszahlt: Ihr neuer Longplayer ist eine vertonte Katharsis, die sich intensiv mit den dunkelsten Facetten der menschlichen Psyche wie Selbsthass, Depression, Suizid und Antihumanismus auseinandersetzt – ein echtes Manifest der Finsternis, das ihren Status als Geheimtipp im extremen Metal-Sektor untermauert.
Ihr neuestes Werk erscheint am 26.06.2026 und hört auf den Namen „Welk“. Bereits das Cover-Artwork fängt die pure visuelle Manifestation des Albumtitels ein: Ein morbides Stillleben aus vertrockneten Ästen und verblühenden Knospen in düsteren, erdigen Tönen, das sich edel auf tiefschwarzem Grund präsentiert. Dieses Design symbolisiert perfekt den Verfall und fängt die antihumanistische Ästhetik von Entgeist meisterhaft ein.
Fans der gepflegten Dunkelheit werden hier mit Sicherheit ein neues Zuhause finden. Bereits das Intro hat mich gefesselt und sanft in die Finsternis geführt. Trotz all der Brutalität, die danach über einen hereinbricht, macht sich schon mit den ersten Screams eine wohlige Entspannung im Körper breit, der man nicht entfliehen kann und will. Wer die vorab veröffentlichten Singles „Ein Flammenmeer“ und „Auserzählt“ gehört hat, wird mir hier absolut nachempfinden können.
Wer hier allerdings Genresturheit sucht oder erwartet, ist bei Sergej, Lars, Tim, Randy und Godvaser schiefgewickelt. Auf „Welk“ finden sich neben der typischen Raserei auch groovige Elemente und Riffs, die glatt aus den 80ern stammen könnten. Im Großen und Ganzen wird hier extrem melodisch dem Frust der Neuzeit Luft gemacht. Die einzelnen Tracks spiegeln dabei die ausgeprägte Leidenschaft der Band für musikalische Finesse wider. Bis auf die Ausnahme „Fatigue“, das als atmosphärische Einleitung zu „Fassade“ fungiert, ist kein Titel kürzer als vier Minuten. Somit besitzt die Platte für mich absolutes „Wellnesspotential“: einfach eintauchen, Augen schließen und fallen lassen.
Fazit
Mit „Welk“ liefern Entgeist ein bärenstarkes Stück extremen Metals ab, das trotz seiner tiefen textlichen Abgründe eine fast schon therapeutische Wirkung entfaltet. Die Mischung aus blackened Brutalität, melodischer Finesse und überraschenden Old-School-Vibes zeigt eine Band, die nach über zehn Jahren im Untergrund genau weiß, was sie tut. Dass dieses Brett komplett in Eigenregie entstanden ist, verdient allerhöchsten Respekt. Ein absoluter Pflichtkauf für alle, die sich gerne gepflegt in der Dunkelheit treiben lassen.
Bewertung
9 / 10 Punkten – Brutal gut und ein echtes Highlight für die Underground-Sammlung!
Links:
Instagram: https://www.instagram.com/entgeist_official/
Facebook: https://www.facebook.com/entgeist
Bandcamp: https://entgeist.bandcamp.com/
Homepage: https://entgeist.de/
YouTube: https://www.youtube.com/@entgeist_official
Spotify: https://open.spotify.com/artist/0FWTeftpqM5K2tUtPCrvVJ
Kommentar hinzufügen
Kommentare