Symphonische Wucht ohne Kitsch
Band: Timeless Rage
Album: My Kingdom Come
Release: 27. März 2026
Genre: Symphonic Metal
Ein besetzter Thron, auf dem eine gehörnte Gestalt vor brennendem Himmel sitzt ... wer das Cover von My Kingdom Come sieht, ahnt schon, wo die Reise hingeht. Timeless Rage haben mit ihrem am 27. März erschienenen Release genau das abgeliefert, was dieses mächtige Artwork verspricht! Es wird episch, es wird düster, und es hat eine ordentliche Portion Härte im Gepäck.
Kopfkino trifft auf Nackenmuskeln
Vom ersten Takt des Titeltracks an zieht euch die Scheibe direkt in ihren Bann. Das fühlt sich hier absolut nicht nach klebrigem "Symphonic-Kitsch" an, sondern vielmehr wie der Soundtrack zu einem düsteren Fantasy - Film. Nur dass ihr halt mittendrin auf dem Schlachtfeld steht. Tracks wie The Devil’s Masquerade spielen richtig stark mit klassischen Elementen, sorgen für Gänsehaut und entladen sich dann in purer Energie. Hier wechselt sich erhabene Atmosphäre ständig mit treibenden Riffs ab. Man fühlt die Melodien richtig körperlich.
Worum geht's? Von Masken, Macht und inneren Dämonen
Textlich haben wir hier kein starres Konzeptalbum vor uns, bei dem man einer einzigen Story von A bis Z folgt. Trotzdem hält ein extrem starker roter Faden die Platte zusammen: Es geht um Machtansprüche, innere Abgründe und die dunklen Seiten der Menschheit. Während The Seed of Fear unter die Haut geht und erzählt, wie sich Angst in unsere Gedanken frisst und Wurzeln schlägt, schlägt Conquistadores die Brücke zu historischen Eroberungsfeldzügen. Jeder Song steht als eigene kleine Geschichte verdammt stark für sich, aber zusammen zeichnen sie genau das passende Bild für den gehörnten Herrscher auf dem Cover.
Der Sound: Druckvoll und auf den Punkt gereift
Die größte Baustelle im Symphonic Metal ist ja meistens der Mix. Oft ertränken die Orchester-Spuren einfach die Gitarren. Timeless Rage machen genau diesen Fehler nicht. Die Riffs schneiden sauber durch die symphonischen Wände, die Rhythmusfraktion (besonders stark bei The Seed of Fear) treibt ordentlich nach vorne und der Gesang thront absolut souverän über diesem Soundgewitter, ohne jemals angestrengt zu wirken.
Im Vergleich zu früheren Sachen wie Untold merkt man sofort, wie sehr die Truppe gereift ist. Das Songwriting ist viel fokussierter, unnötiger Ballast flog konsequent über Bord und die Orchester-Parts verschmelzen richtig natürlich mit dem harten Metal-Grundgerüst. Das ist kein vorsichtiges Ausprobieren mehr, sondern eine klare, selbstbewusste Ansage.
Das Fazit
My Kingdom Come ist eine extrem atmosphärische und packende Platte, die beweist, dass orchestrale Wucht und rauer Underground-Spirit bestens zusammenpassen. Wer auf fette Klangwelten steht, aber das Gitarren-Riffing dabei nicht vermissen will, kommt hier definitiv auf seine Kosten.
Dass es am Ende nicht ganz für die absolute Höchstpunktzahl reicht, ist reines Meckern Meinerseits. Bei der schieren, unerbittlichen Dichte an symphonischen Soundwänden wünscht man sich im hinteren Drittel des Albums manchmal noch den einen oder anderen Moment des Durchatmens oder einen raueren Ausbruch, der den Gitarren noch etwas mehr alleinigen Raum zur Entfaltung gibt. Das ist aber lediglich ein kleiner Tribut an die eigene, gewaltige Atmosphäre – Timeless Rage liefern hier ein verdammt starkes Statement ab. Wer die Scheibe seit dem Release im Frühjahr noch nicht auf dem Schirm hatte, sollte das schleunigst nachholen – das Teil hat echtes Dauerrotations-Potenzial!
Meine Wertung: 8.5 / 10 Punkte
In diesem Sinne
Cheerz
Der Baer 🤘🐻🤘
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