Foto: ©Mastic Scum
Als diese Anfrage reinkam, bin ich als Fan total ausgeflippt – und auch als Blogger ist das ein unvergesslicher Moment für mich. Die österreichischen Death/Grind-Veteranen von Mastic Scum melden sich mit einem massiven neuen Nackenschlag zurück: „VOID“. Über 30 Jahre nach ihrer Gründung beweisen Harry und Dom im schonungslos ehrlichen Gespräch, dass sie noch lange nicht ans Aufhören denken. Ich durfte im Vorfeld in die Platte schon reinhören und habe die Jungs zur düsteren konzeptionellen Tiefe, der perfekten Symbiose aus brutalem Riffing und frischen Melodien sowie zu ihren wildesten Live-Erlebnissen befragt.
Metalbaer: Servus Männer! Am 29. Oktober ballert ihr über MDD Records euer neues Geschoss "VOID" raus. Nach den Cyber-Abrissbirnen "CTRL" und "Icon" stellt sich natürlich die Frage: Wofür steht "VOID" genau? Habt ihr das Steuer komplett herumgerissen oder ist die Scheibe die ultimative Vollstreckung der Vorgänger?
Harry: Hallo! Vielen Dank für das Interview. Ja, wir freuen uns riesig darauf, unser neues Album „VOID“ auf die Menschheit loszulassen. Das Album wird am 30. Oktober veröffentlicht und ab jetzt gibt es das Album im Vorverkauf zum reduzierten Preis, also zuschlagen! Das Album erscheint auf CD und Vinyl und wir haben auch wieder jede Menge neuen Merch.
Bzgl Konzept… „VOID“ beschreibt eine Zukunft, in der von Menschen geschaffene Systeme und Technologien der Menschheit nicht länger dienen, sondern sie formen und kontrollieren. Fortschritt wird zur Abhängigkeit! Verbindung wird zur Isolation! Es ist eine Geschichte darüber, wie der Mensch selbst die Bedingungen für sein eigenes Verschwinden erschafft, deshalb auch der Titel „VOID“ – Vortex Of Infinite Desolation – was das Konzept sehr gut beschreibt.
Metalbaer: ich habe ja bereits reingehört und kann verkünden, dass 11 frische Granaten auf uns warten – vollgepackt mit euren typischen Abreißer-Riffs, aber diesmal auch mit echt düsteren Melodien. Wie habt ihr diese atmosphärischen Elemente in den Mastic-Scum-Mischwolf geworfen, ohne dass die Brechstange verloren geht? Und mal unter uns: Wenn die Riffs zwischen Wien und Innsbruck hin- und hergeschickt werden – wer von euch zieht den Kürzeren, wenn es um die allerletzten musikalischen Details geht?
Harry: Bei „VOID“ gibt es im Vergleich zu unseren bisherigen Alben mehr Melodie und Atmosphäre. Vieles davon war bewusst geplant, manches hat sich aber auch ganz natürlich während des Songwriting-Prozesses entwickelt. Dadurch ist das Album vielseitiger und abwechslungsreicher geworden, ohne dabei etwas von seiner Härte einzubüßen. Jeder der 11 Songs steht für sich, und es lohnt sich, das gesamte Album durchzuhören.
Bzgl. Recording und Texte ist es in Zeiten des Internets heutzutage überhaupt kein Problem mehr und für die eigentlichen Studio-Sessions kommt Maggo dann nach Wien ins Studio.
Dom: Das Album stellt auf jeden Fall eine neue Facette im Mastic-Scum Sound dar. Es hat sich auf sehr natürliche Weise ergeben, dass beim Austausch gewisse neue Ideen mit eingeflossen sind. Das Ergebnis ist ein Amalgam aus bekannten Elementen und Bewährtem, das aber stets der Grundausrichtung von Mastic Scum treu bleibt.
Metalbaer: Das Cover von Hugo Antonio Teran ist ein absoluter Hingucker! Wie habt ihr den Deal eingefädelt und warum fängt das Artwork den Vibe der neuen Platte so verdammt gut ein?
Dom: Vom ersten Moment an, als wir die finale Version des Artworks bestaunen konnten, wussten wir einfach „Ja, genau das ist es!“. Es spiegelt einfach perfekt die Thematik und die Emotion, die wir im Album verarbeitet haben, wider. Einfach die Gesamtkonzeption aus der Leere, der Verzweiflung und Verwüstung und des menschgemachten Exitus seiner selbst.
Harry: Ja, wir sind sehr zufrieden mit dem Endergebnis. Ich kenne Hugo schon seit vielen Jahren aus der Szene. Er ist ein in Bolivien lebender Künstler, und als ich einen seiner Entwürfe gesehen habe, wusste ich sofort, dass das perfekt zum neuen Mastic Scum Album passen würde. Das Artwork wurde anschließend noch speziell für Mastic Scum adaptiert. Während unserer Zusammenarbeit hat mir Hugo erzählt, dass er Mastic Scum bereits seit Anfang der 90er Jahre kennt und dass es für ihn eine große Ehre sei, das Artwork für das Album zu gestalten. Das hat mich dann doppelt gefreut!
Metalbaer: Im Herbst und Winter ballert ihr wieder ordentlich live, unter anderem beim Vienna Deathfest, dem Core Carnage in Innsbruck und im Dome of Rock in Salzburg. Wenn ihr euch an eure krassesten Gigs zurückerinnert (Stichwort Istanbul!): Welcher der neuen "VOID"-Songs hat eurer Meinung nach das größte Potenzial, dass im Pit absolut die Hölle losbricht?
Harry: Ja, Istanbul war wirklich krass, wir waren selber überrascht wie viele Fans wir dort haben, die Atmosphäre war elektrisierend und da war von der ersten Minute an Feuer drin. Ich muss auch sagen, dass dieses Jahr das Eternal Flame Festival in Sarajevo ein absoluter Wahnsinn war, zählt nun zu meinen Faves in der Geschichte von Mastic Scum! Den neuen Song „Aftermath“ haben wir bereits fix im Liveset und auch bereits beim Metal!!! Open Air und Fabrika Death Fest gespielt. Der Song hat richtig Druck und macht live einfach Spaß. Ja, der ballert!
Dom: Neben Aftermath ist für mich auch Arise // Erase eines der Highlights des Albums und hat definitiv Potenzial zu einer Live-Granate. Auch diese Nummer haben wir bereits im Liveset der beiden erwähnten Shows getestet und was soll ich sagen: Es ging ordentlich rund!
Metalbaer: Über 30 Jahre Bandgeschichte und jetzt Album Nummer sieben. Was gibt euch nach all der Zeit noch diesen fetten Antrieb, immer wieder solche Groove-Monster von der Kette zu lassen? Und gibt's abseits von Mastic Scum gerade noch andere musikalische Projekte, über die ihr schon quatschen dürft?
Harry: Ich liebe es nach wie vor, Musik zu machen, Songwriting und ein Album macht einfach Spass und für dieses Album gab es von Anfang an eine klare Vision und Motivation. Und bei der Pre-Production war schon klar, dass das Album ordentlich ballern wird. Wenn ich heute darüber nachdenke, ist das alles schon sehr surreal, es ist eine unglaublich lange Zeit, in der man viel erlebt hat. Vieles hat sich verändert, manches aber auch nicht. Die Liebe zum Metal ist geblieben. Für mich persönlich hat sich über die Jahre gar nicht so viel verändert. Musik zu machen und mit der Band unterwegs zu sein, macht mir heute noch genauso viel Spaß wie am ersten Tag. Ich mache und vor allem höre Musik immer noch mit derselben Leidenschaft wie früher. Im Grunde bin ich auch heute noch derselbe Musikfan wie vor 30 Jahren.
Dom: Ich bin ja seit jeher schon recht umtriebig in der Szene und es ist kein Geheimnis, dass ich auch in anderen Projekten tätig bin. Dabei ist aber jedes sehr eigenständig und deckt ein ganz eigenes Spektrum für mich ab. Ich fühle mich immer noch verdammt geehrt, dass die Jungs mich damals kontaktiert haben und mich schon nach kurzer Zeit gerne fix an Bord haben wollten. Mastic Scum war für mich schon immer eine Szenegröße und in vielerlei Hinsicht auch prägend – in Österreich und darüber hinaus. Sowas gibt einem natürlich auch nochmal einen ordentlichen Schub Energie und Motivation – und nochmal mehr dann gemeinsam an einem Album zu arbeiten!
Metalbaer: Ihr seid seit Anfang der 90er im Underground unterwegs. Wenn ihr die Szene von damals mit heute vergleicht: Was läuft heute definitiv besser und was vermisst ihr vielleicht ein bisschen aus den guten alten Tagen?
Harry: Die Szene hat sich in den letzten Jahrzehnten sehr verändert. Metal hat sich als Musikrichtung längst etabliert, und die Anzahl an Bands, Festivals und Events ist regelrecht explodiert. Aber mit Veränderungen muss man leben und vor allem als Band muss man sich arrangieren. Solange wir das, was wir tun, nach wie vor lieben und sowohl auf großen Festivals als auch in kleinen Clubs spielen können, bleibt dieses besondere Gefühl von früher erhalten. Übrigens spielen wir am 14.11.2026 im PMK in Innsbruck. Also vorbeikommen!
Metalbaer: Für die aktiven Musiker unter den Lesern: Gab's bei den Aufnahmen zu "VOID" irgendein spezielles Equipment, ein krasses Pedal oder eine besondere Herangehensweise im Studio, die den Sound der Platte so richtig fett gemacht hat?
Harry: The ear is the gear! Haha! Natürlich liebe ich es, mit neuem Equipment zu experimentieren und neue Sounds auszuprobieren. Aber unterm Strich zählen der Charakter und die Atmosphäre einer Produktion. Das Ziel habe ich dabei meist schon von Anfang an klar vor Augen beziehungsweise im Ohr. Danke, freut mich sehr, dass dir die Produktion gefällt!
Dom: If it sounds good, it is good. Es wurde definitiv einiges experimentiert und diverse Optionen in Betracht gezogen, um das bestmögliche Ergebnis herauszuholen, ohne dabei grundsätzlich Dinge von vornherein auszuschließen. Ich fand es dabei sehr beeindruckend, wie klar und stringent Harry die Vision von Mastic Scum stets vor Augen hatte. Ich denke, das Ergebnis spricht hier definitiv für sich und trägt die DNA der Band in jeder Faser.
Metalbaer: Zum Schluss noch was ganz anderes: Wenn ihr mal abschalten wollt und absolut keinen brutalen Death oder Grindcore auflegt – was läuft dann bei euch heimlich auf der Anlage, womit eure Fans im ersten Moment überhaupt nicht rechnen würden?
Harry: Also ich hab mir grad Rose & Bruno Mars anghört, weil ich grad gsehen hab dass Archspire das gecovert hat… war gar nichtmal so gut, das cover gefällt mir besser… hahaha. Ich bedanke mich für das Interview und natürlich auch bei all unseren Fans da draußen. Hört unbedingt in das neue Album „VOID“ rein, besucht uns auf unseren Social-Media-Kanälen und schaut euch auch den neuen Merchandise an. Scum Ahead!
Wer nach diesen Einblicken Blut geleckt hat, kann sich ab dem 30. Oktober selbst von der kompromisslosen Härte von „VOID“ überzeugen und sollte sich die Jungs auf unbedingt live ansehen ich habe es zwar erst einmal erlebt aber es war der Hammer also kommt am 14. November in der PMK Innsbruck vorbei. Ihr werdet es nicht bereuen.
In diesem Sinne
Cheerz
Der Baer 🤘🏼 🐻 🤘🏼
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