Es ist immer ein besonderer Moment, wenn aus den Tiefen der heimischen Szene etwas emporsteigt, das internationales Kaliber hat. Ruin Rising, das 2023 gegründete Kraftpaket aus der Achse Vorarlberg und Tirol, liefert mit seinem am 6. Dezember 2024 veröffentlichten Debütalbum Kingdom of Misery genau diesen Moment. Vergiss das Prädikat "Vielversprechend für eine neue Band" ... das hier ist bereits angekommen.
Was Daniel Bauer an der Gitarre hier komponiert hat, ist kein bloßes Aneinanderreihen von Breakdowns, sondern eine cineastische Inszenierung des Abgrunds. Wo andere Bands des Symphonic Deathcore oft in Kitsch abdriften, nutzen Ruin Rising ihre orchestralen Elemente gezielt als Stimmungsträger. Sie untermalen die Härte, statt sie zu verwässern. Der Sound, gemischt und gemastert von Milan Steinbach (Pointbreak Recordings), drückt mit einer Wucht aus den Boxen, die physisch spürbar ist. Es herrscht eine beklemmende Dichte, die das Album zu einem echten Ausdauertest für die Nackenmuskulatur macht.
Ein besonderes Augenmerk muss auf Frontmann Claudio Kofler liegen. Seine Performance auf diesem Album ist schlichtweg bösartig. Die Varianz zwischen den tiefen, gurgelnden Lows und den schneidenden Highs erzeugt eine Dynamik, die den Hörer permanent in Alarmbereitschaft hält. Unterstützt vom rhythmischen Fundament durch Nikolaj Reiplinger am Bass und Emil Feuerstein an den Drums entsteht ein Klangteppich, der keine Gefangenen macht.
Besonders deutlich wird diese Symbiose in Tracks wie Doomed Sons. Hier zeigt die Band, wie man düstere Atmosphäre mit technischer Raffinesse paart, ohne den roten Faden zu verlieren. Der Song baut sich bedrohlich auf, nur um dann in absoluter Zerstörung zu münden. Ein weiteres Highlight ist der Rausschmeißer Soldiers of Death. Anstatt das Album sanft ausklingen zu lassen, feuern Ruin Rising hier noch einmal aus allen Rohren – ein Finale, das dich atemlos zurücklässt und den "Replay"-Button fast schon erzwingt.
Fazit
Ruin Rising haben mit diesem Release eine klare Ansage gemacht: Österreich ist auf der Landkarte des modernen Deathcore wieder ein Stück prominenter geworden. Wer Bands wie Shadow of Intent oder Lorna Shore feiert, wird an diesem Album nicht vorbeikommen, ohne hineingezogen zu werden.
Bewertung: 9/10
Warum "nur" 9 von 10 Punkten? Der einzige kleine Wermutstropfen liegt in der Mitte des Albums. Während der Beginn und das Ende vor Kreativität sprühen, verlässt sich die Band bei Songs wie Vultures ein wenig zu sehr auf die bekannten Genre-Formeln. Der Spannungsbogen hängt hier kurzzeitig minimal durch und die Songstrukturen wirken im Vergleich zu den Highlights etwas vorhersehbarer. Das ist jedoch Jammern auf allerhöchstem Niveau, denn technisch bleibt auch dieser Part makellos.
Spotify:
https://open.spotify.com/album/03Q43jFrCElbnnQOJCySuI?si=hW-2Yf8RQveOq_Uxy4vndQ
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